Bd. XV · Heft 06 · Juni 2026 Perihel / Astronomie-Journal ·
Perihel Magazin für Astronomie und Himmelsbeobachtung — ISSN-Reihe 2026 —
Über das Journal

Perihel — Astronomie am Okularauszug.

Perihel ist ein deutschsprachiges Magazin für Astronomie und Himmelsbeobachtung. Wir schreiben über das, was zwischen Saturn-Opposition, Perseïden-Maximum, ESA-Euclid-Mission-Datenrelease und der laufenden Hubble-Tension-Diskussion am realen Himmel passiert — über Refraktor-Beobachtung bei sub-arcsecond-Seeing, über Schmidt-Cassegrain-Kollimation am Stern, über Astrofotografie-Stacks mit DeepSkyStacker und Siril und über die juristische BNatSchG-Praxis zu Lichtverschmutzung mit kommunaler Sternenpark-Förderung. Kein Pop-Wissenschafts-Heft, keine Influencer-Astro-Berichterstattung, keine Buchklub-Lese-Linie. Eine Publikation, die die Astronomie als die zusammengesetzte Beobachtungs- und Theorie-Tätigkeit nimmt, die sie tatsächlich ist.

Acht Ressorts — Beobachtung, Himmelsmechanik, Sonnensystem, Sterne, Galaxien, Kosmologie, Werkstatt, Geschichte — bilden das Gerüst, in dem wir kontinuierlich publizieren. Nicht jedes Heft füllt alle acht Felder; manchmal verdichten sich drei Texte um eine einzelne Saturn-Ring-Neigungs-Beobachtungssaison, manchmal hängt eine ganze Ausgabe an einer Vera-C-Rubin-Observatorium-First-Light-Reportage. Die aktuelle Juni-2026-Ausgabe hat ihren Schwerpunkt in einer Saturn-Opposition-Vorschau für Mitte Juli, in einer Hubble-Tension-Status-Analyse nach DESI-Year-3-Daten, in einer Perseïden-Beobachtungsstrategie für die mondlose Nacht 12./13. August und in einem Dobson-12-Zoll-Selbstbau-Werkstattbericht.

Was uns inhaltlich interessiert, ist die Spannung zwischen klassischer visueller Beobachtungstradition und moderner Astrofotografie-Praxis. Eine klassische visuelle Beobachtungs-Praxis mit Dobson-Spiegelteleskop, Telrad-Sucher und Pocket-Sky-Atlas verlangt geübtes Aufsuchen, dunkeladaptiertes Sehen und Geduld bei schwachen Deep-Sky-Objekten zwischen 11 und 13 mag. Eine moderne Astrofotografie-Praxis mit gekühlter CMOS-Kamera, Autoguider und Schmalband-Filter-Set liefert Bildtiefen bis 18 mag bei 4 Stunden Belichtungszeit und 90 % Filterwirkung. Beide Linien haben ihre Berechtigung — die visuelle Linie für direkten Sehen- und-Verstehen-Modus, die Foto-Linie für quantifizierbare Mess-Auswertung. Wir verhandeln beide Linien nebeneinander.

Was uns historisch interessiert, ist die kontinuierliche Modernisierung der astronomischen Disziplin. Galileo Galilei hat 1610 in „Sidereus Nuncius" die ersten teleskopischen Beobachtungen der Jupiter-Monde dokumentiert. Johannes Kepler hat 1609 in „Astronomia Nova" die drei Bahn-Gesetze auf der Grundlage der Tycho-Brahe-Mars-Daten formuliert. Isaac Newton hat 1687 in den „Principia" die Gravitations-Theorie mit Kepler-Gesetzen synthetisiert. William Herschel hat 1781 Uranus entdeckt und die galaktische Strukturforschung begründet. Edwin Hubble hat 1929 die kosmologische Rotverschiebungs-Beziehung publiziert. Vera Rubin hat in den 1970ern die Galaxien-Rotations-Kurven vermessen und die Dunkle-Materie-Hypothese empirisch verankert. Wir verstehen Astronomie als das, was sie ist: keine Sammlung fixer Sternen-Wahrheiten, sondern eine Disziplin, die zwischen klassischer Beobachtungs-Tradition, moderner Detektor-Technik und Forschungs-Konsortium-Datenauswertung jede Beobachtungs-Saison neu verhandelt wird.

Geschrieben ist Perihel für Amateur-Astronom:innen mit Teleskop-Praxis-Disziplin, die ihre Plössl- von ihren Nagler-Okularen unterscheiden und ihre Polar-Alignment-Routine pflegen, für Sternwarten-Besucher:innen, die zwischen 16-Zoll-Cassegrain und 60-cm-Reflektor abwägen, für Astrofotografie-Praktizierende, die zwischen LRGB-Verfahren und Hubble-Palette-Schmalband argumentieren, und für astrophysikalisch Vorgebildete, die ihre Lambda-CDM-Standardmodell-Lektüre mit Vera-Rubin-Galaxien-Rotations-Kurven-Originalpapieren verbinden. Wir setzen Lesefreude an Magnituden-Skalen, Rektaszensions-Koordinaten und Bahn-Element-Notation voraus, aber keine 30-jährige Profi-Astronomie-Karriere.

Gastbeiträge

Perihel nimmt Gastbeiträge an. Wer einen Text geschrieben hat — Beobachtungs-Bericht mit Datums-/Ortsangabe, Werkstatt-Reportage zum Selbstbau-Spiegel, theoretische Analyse zu einem astrophysikalischen Befund, Sternwarten-Porträt, Astrofotografie-Stack-Beschreibung — und ihn bei uns sehen möchte, schickt eine Schreibprobe an [email protected]. Wir antworten in der Regel innerhalb einer Woche und honorieren angenommene Beiträge nach festen Sätzen. Konkrete Geräte-Bezeichnungen, Belichtungszeit-Stack-Werte, Magnituden-Schätzungen mit Vergleichsstern und Koordinaten-Angaben in J2000 sind willkommen.

Astronomie ist für uns kein Pop-Wissenschafts-Genre mit Hubble-Wallpaper. Sie ist die Disziplin, in der eine vorbereitete Polar-Alignment-Routine am Donnerstagabend in der Vereinssternwarte den Unterschied zwischen sauber nachgeführter 8-Minuten-Subexposition und gespurter Bildkurve macht — wenn jemand vorher die Mount-Justage richtig durchlaufen hat.